{"id":1301,"date":"2018-10-11T22:24:00","date_gmt":"2018-10-11T20:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hirondelle.org\/patrick-chauvel-fotojournalismus"},"modified":"2018-10-11T22:24:00","modified_gmt":"2018-10-11T20:24:00","slug":"patrick-chauvel-fotojournalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/patrick-chauvel-fotojournalismus","title":{"rendered":"Patrick Chauvel &#8211; Fotojournalismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Warum soll man in einer von Bildern \u00fcberschwemmten Welt noch Fotos aufnehmen? Was ist ein gutes Foto? Kann man noch davon tr\u00e4umen, von der Fotografie zu leben? Nach 50 Jahren in diesem Metier hat der franz\u00f6sische Fotograf Antworten auf diese Fragen, die man ihm oft stellt. Seine Fotos geben ebenfalls Antworten auf diese Fragen.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist schwierig, den Werdegang von Patrick Chauvel zusammenzufassen. Sein Weg ist die Liste der weltweiten Konflikte der vergangenen 50 Jahre und die Erz\u00e4hlung eines Heldenepos.<\/p>\n<p>Patrick Chauvel wurde 1949 als Sohn von Jean-Fran\u00e7ois Chauvel (Journalist) geboren und ist der Neffe des Regisseurs Pierre Schoendoerffer. Letzterer und andere waren eine Quelle der Inspiration f\u00fcr Chauvel, der sich zu einem Kriegsberichterstatter, Fotografen, Dokumentarfilmer und Schriftsteller entwickelte. Patrick Chauvel hat 34 Kriege miterlebt und wurde f\u00fcnf Mal verwundet.<\/p>\n<p>Ab 1970 arbeitete er f\u00fcr die Agentur Sipa. Er drehte Reportagen \u00fcber den Nordirlandkonflikt und die B\u00fcrgerkriege in Mosambik und Kambodscha, wo er 1974 verletzt wurde.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter wurde er vom Gr\u00fcnder und Chef von Sygma unter Vertrag genommen und drehte erneut in Irland und auch in Angola und Portugal Fotoreportagen und Dokumentationen. Es ist au\u00dferdem der Beginn des B\u00fcrgerkriegs im Libanon, in dem Patrick Chauvel 1978 in Kriegsgefangenschaft geriet. Nach seiner Befreiung kehrte er nach Frankreich zur\u00fcck, von wo aus er nach Zaire reiste, um die Operation Kolwezi zu begleiten. Ein Jahr sp\u00e4ter war er bei den ersten islamistischen Demonstrationen in Pakistan dabei, dann im Iran, wo er am Kn\u00f6chel verwundet wurde und gezwungen war, nach Hause zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Das Ende der 1970er-Jahre und die 1980er-Jahre f\u00fchrten ihn nach Afghanistan, um \u00fcber die sowjetische Intervention zu berichten. Au\u00dferdem zog es ihn oft nach Lateinamerika. Zuerst 1979 nach Nicaragua und sp\u00e4ter auch nach Salvador, Peru und Kolumbien. Seine Fotos des Massakers am Flughafen von Medellin brachten ihm 1988 den Kodak-Preis ein. Im darauffolgenden Jahr wurde Patrick Chauvel in Panama durch einen Schuss aus einer M16 schwer verletzt (\u201eEigenbeschuss\u201c, betonte der Fotograf augenzwinkernd), woraufhin er sich einer schwierigen Bauchoperation unterziehen musste.<\/p>\n<p>Nach seiner Genesung widmete Patrick Chauvel den Stra\u00dfenschlachten in New York (1990) eine Reportage. Im darauffolgenden Jahr ging er in Haiti mit den Boatpeople an Bord eines Bootes in Richtung der Vereinigten Staaten von Amerika, aber nach drei Tagen auf dem Meer erlitt das Boot Schiffbruch. Mitte der 1990er Jahre berichtete der Fotograf \u00fcber mehrere Konflikte, in Somalia (1993), in Bosnien (1994) und in Tschetschenien (1995) mit der russischen Offensive. Eine seiner Reportagen erhielt einen World Press Photo Award und den Prix d\u00b4Angers im Jahr 1996.<\/p>\n<p>In diesem Jahr verlie\u00df Patrick Chauvel die Agentur Sygma. Die extreme Gewalt, die er in Tschetschenien mit ansehen musste, best\u00e4rkte ihn in seiner Idee, dass mehr noch als das Bild zuk\u00fcnftig f\u00fcr ihn die Sprache notwendig ist, um das auszudr\u00fccken, was er \u00fcber die Konflikte zu sagen hat. Der Fotograf besch\u00e4ftigte sich mit der in Dokumentationsfilmen \u00fcblichen Sprache. Im Jahr 1998 drehte er gemeinsam mit Antoine Novat einen Film mit dem Titel \u201eRapporteurs de guerre\u201c, in dem Kriegsreporter nach ihren Gr\u00fcnden f\u00fcr ihr Engagement in diesem Bereich befragt werden. Als Reaktion auf die den anderen Journalisten gestellten Fragen ver\u00f6ffentlichte Patrick Chauvel im Jahr 2000 seine eigene Sicht mit \u201eRapporteur de guerre\u201c (im Singular).<\/p>\n<p>In diesem Zeitraum erstellte Patrick Chauvel eine Dokumentationsreihe f\u00fcr das franz\u00f6sische Fernsehen mit den folgenden Themen: die Gewalt gegen Frauen in Algerien, der israelisch-pal\u00e4stinensische Konflikt, die Traumata der tschetschenischen Kinder, die Verzweiflung der irakischen K\u00fcnstler, die \u00dcbergriffe in Pakistan, in Thailand, an der Grenze zu Afghanistan etc.<\/p>\n<p>Im Jahr 2010 nimmt Patrick Chauvel die Fotoreportage in Afghanistan wieder auf, berichtet jedoch auch \u00fcber den arabischen Fr\u00fchling (\u00c4gypten), aus den mehrere B\u00fcrgerkriegen (Libyen, Syrien, Irak) hervorgegangen sind.<\/p>\n<p>Als Redner ist Patrick Chauvel immer auf die Nachrichten\u00fcbermittlung bedacht. 2014 hat er mit Hilfe von Freunden in der Schweiz den F\u00f6rderverein der Fondation Patrick-Chauvel gegr\u00fcndet mit dem Ziel, seine gesamte Arbeit zusammenzutragen, um eine Reflexionsplattform f\u00fcr den Beruf des Kriegsberichterstatters zu entwickeln und eine Br\u00fccke zwischen den Generationen zu erschaffen, indem er die Arbeiten von unbekannten Fotografen in den Vordergrund bringt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist er gemeinsam mit R\u00e9my Ourdan einer der Mitgr\u00fcnder der Fondation WARM, die sich mit der Aufarbeitung der aktuellen Konflikte in der Welt besch\u00e4ftigt, und l\u00e4sst im Rahmen der Gedanken zum Krieg und zu Konfliktl\u00f6sungen Forschende diverser Fachrichtungen zu Wort kommen.<\/p>\n<p>Patrick Chauvel ist au\u00dferdem regelm\u00e4\u00dfiger Gast beim Prix Bayeux-Calvados f\u00fcr Kriegsberichterstatter, bei dem er im Oktober 2009 den Vorsitz gef\u00fchrt hatte, in dem Jahr, als er dort seine Ausstellung mit dem Titel \u201eGuerre-ici\u201c an den W\u00e4nden von Bayeux vorstellte: Fotomontagen (bei denen zum Beispiel eine Kampfszene aus dem Libanon neben die Kirche Sacr\u00e9-C\u0153ur gestellt wird), um diejenigen zu warnen, welche bereit sind, Konflikte zu ignorieren, da sie weit weg von ihnen stattfinden.<\/p>\n<p>Im Jahr 2019 erhielt Patrick Chauvel den Prix Bayeux Calvados. Im gleichen Jahr wurde sein Archiv \u2013 380.000 Fotos und 1.000 Stunden Dokumentationen \u2013 an das M\u00e9morial de Caen \u00fcbergeben und geb\u00fcndelt, wo seiner Arbeit ein ganzer Saal gewidmet ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum soll man in einer von Bildern \u00fcberschwemmten Welt noch Fotos aufnehmen? Was ist ein gutes Foto? Kann man noch davon tr\u00e4umen, von der Fotografie zu leben? Nach 50 Jahren in diesem Metier hat der franz\u00f6sische Fotograf Antworten auf diese Fragen, die man ihm oft stellt. Seine Fotos geben ebenfalls Antworten auf diese Fragen. 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