{"id":1618,"date":"2022-02-09T16:20:56","date_gmt":"2022-02-09T15:20:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hirondelle.org\/diverse-funding-models-are-crucial-for-a-free-media-system-interview-with-manuel-puppis"},"modified":"2022-02-09T16:20:56","modified_gmt":"2022-02-09T15:20:56","slug":"diverse-funding-models-are-crucial-for-a-free-media-system-interview-with-manuel-puppis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/diverse-funding-models-are-crucial-for-a-free-media-system-interview-with-manuel-puppis","title":{"rendered":"\u00abDiversit\u00e4t in Finanzierungsmodellen ist f\u00fcr ein freies Mediensystem wichtig\u00bb Interview mit Manuel Puppis"},"content":{"rendered":"<p><em>In der Schweiz ist die Debatte um die \u00f6ffentliche Finanzierung der Nachrichtenmedien in vollem Gange. Die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler sind aufgerufen, am Sonntag, den 13. Februar, \u00fcber das per Referendum bek\u00e4mpfte &#8222;Medienpaket&#8220; abzustimmen. Wir sprachen mit Manuel Puppis, ordentlicher Professor f\u00fcr Medienstrukturen und Governance an der Universit\u00e4t Freiburg, \u00fcber die Problematik der Finanzierungsmodelle der Medien und ihre m\u00f6glichen Auswirkunge<\/em>n.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnten Sie bitte noch einmal erl\u00e4utern, was bei dieser Abstimmung auf dem Spiel steht, insbesondere f\u00fcr ein nicht-schweizerisches Publikum, das mit dieser Debatte nicht unbedingt vertraut ist?<\/strong><\/p>\n<p>Am 13. Februar wird dar\u00fcber abgestimmt, ob die Medienf\u00f6rderung in der Schweiz ausgebaut wird. Bisher wird der Posttransport von gedruckten Zeitungen subventioniert und Zeitungen profitieren von einem reduzierten Mehrwertsteuersatz. Zudem werden lokale Radio- und regionale Fernsehstationen aus den Rundfunkgeb\u00fchren unterst\u00fctzt, die haupts\u00e4chlich der Finanzierung des Service public dienen. Regierung und Parlament schlagen nun vor, die Posttaxenverbilligung und die Rundfunksubventionen zu erh\u00f6hen. Neu soll auch die Fr\u00fchzustellung von Zeitungen subventioniert werden. Das innovativste Element ist aber eine erstmalige Unterst\u00fctzung von Onlinemedien. Zudem sind Subventionen f\u00fcr die Aus- und Weiterbildung von Journalist\/innen, Presserat, Nachrichtenagentur und digitale Infrastrukturen geplant. Die Transportsubventionen f\u00fcr Printmedien und die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Onlinemedien w\u00e4ren auf sieben Jahre befristet.<br \/>Es geht also um die Frage, ob die \u00f6ffentliche Hand k\u00fcnftig journalistische Medien st\u00e4rker unterst\u00fctzen soll als bisher. Denn im Zuge der Digitalisierung sind die Werbeeinnahmen von Medienunternehmen stark eingebrochen, was zu Sparmassnahmen auf Redaktionen, zur Einstellung einiger Titel und zu einer starken Medienkonzentration gef\u00fchrt hat. F\u00fcr eine direkte Demokratie wie die Schweiz, ist aber eine vielf\u00e4ltige Berichterstattung \u00fcber alle f\u00f6deralen Ebenen von essentieller Bedeutung.<\/p>\n<p><strong>Welches sind die innovativsten oder interessantesten Modelle f\u00fcr die \u00f6ffentliche Finanzierung von Medien in der Welt heute?<\/strong><\/p>\n<p>Zum einen sind die Medienf\u00f6rdermodelle in D\u00e4nemark, Norwegen und Schweden interessant. In den skandinavischen L\u00e4ndern wurde die traditionelle Pressef\u00f6rderung schon vor einiger Zeit auf Onlineangebote ausgeweitet. Redaktionen werden unabh\u00e4ngig davon, ob es Print- oder Onlinemedien sind, mit \u00f6ffentlichen Geldern unterst\u00fctzt: Sofern ein Medium bestimmte formale Kriterien erf\u00fcllt und einen Antrag stellt, geschieht die Mittelvergabe weitgehend automatisch. Damit ist auch die Unabh\u00e4ngigkeit gewahrt. Die in der Schweiz geplante Onlinemedienf\u00f6rderung funktioniert \u00e4hnlich.<br \/>Zum anderen existiert in den Niederlanden und in gewissen deutschen Bundesl\u00e4ndern auch eine Innovationsf\u00f6rderung: Neugr\u00fcndungen von Medien oder Innovationsprojekte bei bestehenden Medien werden mit Coachingprogrammen unterst\u00fctzt und zur Marktreife gebracht.<\/p>\n<p><strong>Was waren die Auswirkungen, Entwicklungen f\u00fcr den Sektor an den Orten, die sich f\u00fcr diese Art der Unterst\u00fctzung entschieden haben?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt sehr wenige Studien, die sich mit den Auswirkungen von Medienf\u00f6rderung befassen. Was wir wissen: Ob es direkte Medienf\u00f6rderung gibt oder nicht sagt nichts dar\u00fcber aus, ob ein Land in Erhebungen zur Medienfreiheit gut oder schlecht abschneidet. Die skandinavischen L\u00e4nder mit ihrer langen Tradition der Medienf\u00f6rderung z\u00e4hlen zu den freisten Mediensystemen weltweit. <br \/>Ein norwegisches Forschungsteam hat die Onlineausgaben von gef\u00f6rderten und nicht-gef\u00f6rderten Zeitungen miteinander verglichen und festgestellt, dass sich die Inhalte kaum unterscheiden \u2013 es gibt also keinen Einfluss der F\u00f6rderung auf die Berichterstattung. Aber dank der F\u00f6rderung existieren immer noch fl\u00e4chendecken in allen lokalen R\u00e4umen Medien, die ohne F\u00f6rderung kaum \u00fcberlebt h\u00e4tten.<\/p>\n<p><strong>Stellt eine \u00f6ffentliche Finanzierung der Medien Ihrer Meinung nach ein gr\u00f6\u00dferes Risiko dar als eine private Finanzierung?<\/strong><\/p>\n<p>Jede Finanzierungsform von Medien bringt potenziell das Risiko von Abh\u00e4ngigkeiten mit sich. Deshalb ist strukturelle Diversit\u00e4t \u2013 also eine Vielzahl von Medien mit unterschiedlichen Finanzierungsmodellen \u2013 f\u00fcr ein freies Mediensystem wichtig. <br \/>Die Abh\u00e4ngigkeit von grossen Werbekunden darf sicher nicht untersch\u00e4tzt werden. Hier ist es an der Chefredaktion, die Unabh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber Verlagsinteressen zu verteidigen. Das ist aber angesichts sinkender Werbeeinnahmen sicher nicht einfach. Und nat\u00fcrlich gibt es auch private Geldgeber, die mit der Finanzierung von Medien politische Interessen verfolgen.<br \/>F\u00fcr die staatliche Medienf\u00f6rderung wiederum gilt, dass diese so ausgestaltet werden muss, dass die Unabh\u00e4ngigkeit gewahrt bleibt. Zentral scheint es, auf Leistungsauftr\u00e4ge und inhaltliche Evaluationen bei gef\u00f6rderten Medien verzichtet wird \u2013 um nur schon den Anschein von Einflussnahme zu verhindern. Die gr\u00f6ssere Gefahr sehe ich im \u00dcbrigen bei der intransparenten Vergabe von Inseraten durch Beh\u00f6rden und staatsnahe Unternehmen, die in einigen L\u00e4ndern \u00fcblich ist.<\/p>\n<p><strong>Inwiefern scheinen Ihnen die Herausforderungen der \u00f6ffentlichen Finanzierung der Medien, wie sie in der Schweiz anl\u00e4sslich dieser Abstimmung diskutiert wurden, in anderen Teilen der Welt und insbesondere in fragilen Kontexten widerhallen zu k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Medienkrise betrifft viele L\u00e4nder weltweit, da werbetreibende Unternehmen heute nicht mehr auf Medien angewiesen sind, um die Menschen zu erreichen \u2013 stattdessen schalten Sie Werbung bei international t\u00e4tigen Onlineplattformen wie Facebook oder Google. Damit stellt sich vielerorts die Frage nach einer nachhaltigen Finanzierung von Medien \u2013 und damit nach Medienf\u00f6rderung. Zentral erscheint mir hierbei, dass Modelle gew\u00e4hlt werden, welche keine Einflussnahme der Politik auf redaktionelle Entscheidungen erlauben. Das h\u00e4ngt aber stark von den Wesensmerkmalen des politischen Systems ab. Es gibt leider gen\u00fcgend L\u00e4nder, in denen Medienpolitik zur parteipolitischen Machtaus\u00fcbung missbraucht und der \u00f6ffentliche Rundfunk genauso wie private Medien politisch instrumentalisiert werden. Nicht umsonst besteht unter Journalist\/innen und Wissenschaftler\/innen in L\u00e4ndern mit ehemals autorit\u00e4ren Machthabern manchmal eine grosse Skepsis gegen\u00fcber Medienf\u00f6rderung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz ist die Debatte um die \u00f6ffentliche Finanzierung der Nachrichtenmedien in vollem Gange. Die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler sind aufgerufen, am Sonntag, den 13. Februar, \u00fcber das per Referendum bek\u00e4mpfte &#8222;Medienpaket&#8220; abzustimmen. Wir sprachen mit Manuel Puppis, ordentlicher Professor f\u00fcr Medienstrukturen und Governance an der Universit\u00e4t Freiburg, \u00fcber die Problematik der Finanzierungsmodelle der Medien [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":4138,"comment_status":"","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[207],"tags":[243],"class_list":["post-1618","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog-de","tag-de_how-we-work-evaluation-research"],"acf":[],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-21 01:55:59","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1618"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1618\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4138"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}