{"id":1927,"date":"2023-03-06T14:47:35","date_gmt":"2023-03-06T13:47:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hirondelle.org\/welche-kriegsjustiz-in-der-ukraine-die-informationsproblematik-une-die-rolle-des-medien"},"modified":"2023-03-06T14:47:35","modified_gmt":"2023-03-06T13:47:35","slug":"welche-kriegsjustiz-in-der-ukraine-die-informationsproblematik-une-die-rolle-des-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hirondelle.org\/de\/welche-kriegsjustiz-in-der-ukraine-die-informationsproblematik-une-die-rolle-des-medien","title":{"rendered":"Welche Kriegsjustiz in der Ukraine? Die Informationsproblematik une die Rolle des Medien"},"content":{"rendered":"<p>Informationen, ob allgemeiner, humanit\u00e4rer oder justizieller Natur, sind f\u00fcr die vom Krieg in der Ukraine betroffenen Menschen unentbehrlich. Seit dem Beginn der russischen Offensive am 24. Februar 2022 ben\u00f6tigen die unabh\u00e4ngigen lokalen Medien, vor allem in den annektierten, inzwischen zur\u00fcckeroberten Gebieten, Unterst\u00fctzung, um zu \u00fcberleben und ihre Rolle weiterhin wahrnehmen zu k\u00f6nnen. In diesem Kriegsumfeld m\u00fcssen alle, die im Informationsbereich t\u00e4tig sind, ihre Arbeitsweise und Verbreitungsmethoden anpassen. Mehr denn je kommt es darauf an, die \u00d6ffentlichkeit zu informieren und Zeugnis abzulegen, wobei es nicht einfach ist, das richtige Gleichgewicht zu finden und niemanden einer Gefahr auszusetzen. \u00abIn der Ukraine haben wir gelernt, dass Information Leben retten kann\u00bb, erkl\u00e4rt Oleksiy Soldatenko, Koordinator der Stiftung Hirondelle in der Ukraine. Nach dem Ausbruch des Krieges f\u00fchrte die Stiftung Hirondelle ein Notfallprogramm zur Unterst\u00fctzung ukrainischer Journalist:innen und unabh\u00e4ngiger Medien ein. Dieses Programm wird von der Gl\u00fcckskette sowie durch private Spenden gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Wie im Oktober 2022 beim KOFF-Rundtisch zum Thema Information und Medien er\u00f6rtert, bei dem auch Caroline Vuillemin, Generaldirektorin der Stiftung Hirondelle, zugegen war, nehmen Friedensakteur:innen die Medien mitunter als Beteiligte oder Vektoren von Konflikten wahr. Die Stiftung Hirondelle hat dagegen die Erfahrung gemacht, dass Medien durchaus als reelles Instrument f\u00fcr den Aufbau von Frieden und Dialog fungieren k\u00f6nnen, wenn sie die Grundwerte des Journalismus hochhalten, wie etwa \u00ab\u00f6ffentliches Interesse\u00bb, \u00abAusgewogenheit\u00bb und \u00abEthik\u00bb. Ein solcher Journalismus st\u00e4rke einerseits das Vertrauen der Bev\u00f6lkerung, so Caroline Vuillemin, und schaffe andererseits Raum f\u00fcr Dialog \u2013 wenn nicht \u00fcber eine absolute, dann doch \u00fcber eine gemeinsame Wahrheit und ein einheitliches Faktenverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Ebenso wie der Krieg die journalistische Arbeit beeinflusst, so wirkt er sich auch auf die Inhalte aus, die in bestimmten Medien zirkulieren. Bereits w\u00e4hrend des Donbass-Konflikts nahm die Desinformation neue Dimensionen an. \u00abWir befinden uns in einem Informationskrieg, in dem es darum geht, die Moral und das Vertrauen der Menschen zu gewinnen\u00bb, betont Oleksiy Soldatenko. In diesem Kontext k\u00f6nnen sich soziale Netzwerke zu \u00fcberaus wirkungsvollen Mitteln f\u00fcr die Verbreitung von Falschmeldungen entwickeln, oft unbemerkt von den Kontrollmechanismen dieser Plattformen.<\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzung lokaler Medien, insbesondere in den annektierten oder zur\u00fcckeroberten Gebieten, sichert ihr Fortbestehen, sodass sie weiterhin Produktionen erstellen und Desinformationskampagnen entkr\u00e4ften k\u00f6nnen. Doch gepr\u00fcfte, vertrauensw\u00fcrdige Informationen erf\u00fcllen nicht nur einen praktischen Zweck, sie haben auch eine enorme psychologische Bedeutung. Sie fliessen in Entscheidungen ein und stellen f\u00fcr H\u00f6rer:innen oder Leser:innen, die von der Aussenwelt abgeschnitten sind, eine St\u00fctze dar. Diese Einsch\u00e4tzung deckt sich mit den R\u00fcckmeldungen zur Hilfe, die die Stiftung Hirondelle leistet: Die meisten Medien, die vom Notfallprogramm profitiert haben, konnten sowohl die Quantit\u00e4t als auch die Qualit\u00e4t der produzierten Inhalte steigern. Auch wenn h\u00e4ufige Internetbeschr\u00e4nkungen und -ausf\u00e4lle in den besetzten Gebieten den Zugang zu Informationen erschweren, ist es diesen Medien gelungen, ihr Publikum zu halten oder sogar zu vergr\u00f6ssern (in einigen F\u00e4llen um bis zu 50\u00a0Prozent).<\/p>\n<p>Eine weitere strategisch wichtige Komponente des Krieges ist die Justiz. Schon fr\u00fch hat die Ukraine beschlossen, sich auch mit den Waffen der lokalen und internationalen Justiz verteidigen. F\u00fcr die Medien bleibt die Gerichtsberichterstattung ein eigenes Metier, das spezielles Fachwissen erfordert. Durch die rasche Einf\u00fchrung von lokalen und internationalen Verfahren im Zusammenhang mit dem Krieg ist bei den ukrainischen Journalist:innen, die \u00fcber die Prozesse berichten, ein erh\u00f6hter Bedarf an Weiterbildung und Unterst\u00fctzung entstanden. Die juristische Seite des Krieges abzudecken, heisst, die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Verfahren und Instrumente zu informieren, die die Wahrheit \u00fcber begangene Kriegsverbrechen ans Licht bringen sollen, aber auch die Rolle und Zust\u00e4ndigkeit lokaler, nationaler und internationaler Gerichte verst\u00e4ndlich zu machen. Die Berichterstattenden befinden sich in einer schwierigen Position: Einerseits sind sie Zivilpersonen und somit Konfliktbetroffene, andererseits sachliche, neutrale Beobachtende. Die Stiftung Hirondelle m\u00f6chte ihnen bei dieser wichtigen Herausforderung zur Seite stehen.<\/p>\n<p>Als Reaktion auf diese Situation bietet unser Online-Medium <a href=\"https:\/\/www.justiceinfo.net\/en\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.justiceinfo.net\/en\">JusticeInfo.net<\/a>, das auf aktuelle Themen der internationalen Justiz und der \u00dcbergangsjustiz spezialisiert ist, <a href=\"de\/unsere-news\/1860-justiceinfo-forme-un-reseau-de-journalistes-couvrant-les-proces-lies-a-la-guerre\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Weiterbildung und Beistand<\/a> f\u00fcr ukrainische Journalist:innen an, die \u00fcber Prozesse im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine berichten. F\u00fcr Thierry Cruvellier, Chefredakteur von JusticeInfo, bedeutet \u00fcber Kriegsverbrecherprozesse zu berichten, die Geschichte der Besetzung zu erz\u00e4hlen, und zwar in Echtzeit aus der Perspektive der Opfer. Seit Juli 2022 werden in Zusammenarbeit mit lokalen Ressourcen, wie Richter:innen und anderen Fachpersonen, zwei Weiterbildungen angeboten, die guten Anklang finden. <a href=\"https:\/\/www.justiceinfo.net\/en\/justice-in-ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dar\u00fcber hinaus ver\u00f6ffentlicht die Redaktion von JusticeInfo diese Berichte in vier Sprachen (Ukrainisch, Russisch, Franz\u00f6sisch und Englisch) auf ihrer Plattform und tr\u00e4gt so zur Verbreitung bei.<\/a> Gemeinsam mit den Korrespondent:innen in Den Haag verfolgt und analysiert JusticeInfo s\u00e4mtliche Verfahren zum Krieg in der Ukraine vor internationalen Gerichtsh\u00f6fen.<\/p>\n<p>*<a href=\"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/588\/kriegsjustiz-in-der-ukraine-die-informationsproblematik-und-die-rolle-der-medien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dieser Artikel<\/a> ist in der <a href=\"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/issue\/179_de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Februar 2023-Ausgabe des Magazins &#8222;\u00c0 Propos&#8220; der Schweizer Plattform f\u00fcr Friedensf\u00f6rderung KOFF erschienen.<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Informationen, ob allgemeiner, humanit\u00e4rer oder justizieller Natur, sind f\u00fcr die vom Krieg in der Ukraine betroffenen Menschen unentbehrlich. 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